zur BildergalerieMARKTWIRTSCHAFT II

Mit "Marktwirtschaft II" betitelt Will Mehrgeld eine Kunstinstallation, die das marktwirtschaftliche System anhand eines manuell betriebenen Glücksspielautomaten darstellen soll. Dabei handelt es sich um einen vornehmlich in Casinos anzutreffenden Apparat, einen so genannten Münzschieber oder "Coin Pusher". Durch eine Glasscheibe blickt man auf zwei übereinander liegende, treppenförmig angeordnete Ebenen, die sich unablässig vor- und zurück bewegen. Darauf verteilt liegen zahlreiche Münzen. Immer wieder bliden sich an den Kanten der Ebenen grosse Geldtrauben, die die begehrlichen Blicke der Betrachter auf sich ziehen. An der oberen Seite des Automaten befinden sich Schlitze für den Münzeinwurf. Die eingeworfenen Geldstücke fallen zuerst auf die oberste Ebene. Durch die stetige Hin- und Herbewegung werden die Münzen von der Rückwand nach vorne geschoben und schieben ihrerseits im Idealfall eine oder mehrere Münzen an, so dass sich die Geldtrauben lösen und von der oberen auf die darunter liegende Ebene fallen. Hier wiederholt sich das Geschehen. Durch das unablässige Vor- und Zurück werden die Münzen von Ebene zu Ebene transportiert, bis sie mit etwas Glück im Gewinnschacht landen.

An die Stelle eines Motors treten bei "Marktwirtschaft II" vier Personen, die den Automaten manuell durch Rudern bedienen. Diese modernen Lohnsklaven der Corporate World, stilgerecht in Krawatte und Anzug, versinnbildlichen das Ausgeliefertsein an ein wirtschaftliches System, dessen Unzulänglichkeit für stete Ungerechtigkeit sorgt und für das es keine Alternativen zu geben scheint. Sowohl Leistungsdruck, Wettbewerb und Gewinnstreben, als auch Investment und Risikofreude, Spieltrieb und wirtschaftliche Abenteuerlust klingen in dieser Arbeit an.